漢字的魅力

28 Schüler des Wirtschaftsgymnasiums nahmen am 9. März 2016 an einer Exkursion ins Museum Rietberg teil. Die Exkursion nach Zürich fand im Rahmen des Chinesischunterrichts statt. Die Ausstellung „Magie der Zeichen – 3000 Jahre chinesische Schriftkunst“ zeigt Objekte und Kunstwerke aus drei Jahrtausenden, darunter Beispiele der ältesten Schriftquellen Chinas, seltene Manuskripte aus dem 7. bis 10. Jahrhundert, Handschriften von herausragenden Schreibmeistern aus dem 11. bis 20. Jahrhundert und Arbeiten der prominentesten Kunstschaffenden der Gegenwart. Sie spannt einen Bogen von den frühesten Schriftzeugnissen bis heute. Dabei werden die modernen und zeitgenössischen Arbeiten in die Abteilungen integriert und treten so in einen spannenden Dialog mit der klassischen Kunst. In der direkten Gegenüberstellung lassen sich die Traditionen erkennen, auf die sich die Künstlerinnen und Künstler beziehen, um auf innovative Weise Fragestellungen der eigenen Gegenwart zu thematisieren. Der Einbezug zeitgenössischer Kunstschaffender führt vor Augen, wie dauerhaft und lebendig die einzigartige kalligrafische Tradition in der aktuellen Kunstpraxis Chinas ist. (Ausstellungskatalog, S. 8)

 

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Die Ausstellungsexponate sind nach sechs Themenbereichen gegliedert:

(1) Macht und Magie

Schrift als Machtinstrument; Kommunikation mit dem Himmel und den Ahnen; ritueller Charakter; offizielle Zwecke; archaische Kraft als Inspiration auch für heutige Künstler

Der Überlieferung nach wurden die chinesischen Schriftzeichen den Menschen von der Natur offenbart. Es heißt, Cang Jie, der Sekretär des mythischen Gelben Kaisers, habe die Fußspuren der Tiere im Sand beobachtet und daraus die Schrift entwickelt.

Seit frühester Zeit wird den Schriftzeichen eine tiefere magische Bedeutung zugeschrieben. Die ältesten chinesischen Texte stammen aus dem 13. Jh. v.Chr. und wurden in Tierknochen eingeritzt. Diese waren sehr wichtig für die Kommunikation mit den Gottheiten. Mit der Befragung der vergöttlichten Ahnen versicherte sich der Herrscher deren Wohltaten, sowie der Richtigkeit seiner Entscheidungen. Damit legitimierte er auch seinen Machtanspruch.

(Daniel Groß)

(2) Spiritualität und Seelenheil

Funktionen von Schrift im Buddhismus und religiösen Daoismus; Kopieren von Lehrtexten als frommes Werk; Weihung von Statuen und Orten durch heilige Texte; zauberwirksame Schriftamulette

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(3) Kunst und Mythos

Geschichten und Legenden um Wang Xizhi (303-361), den Ahnherrn der chinesischen Schriftkunst; seine Handschrift („Vorwort vom Orchideen-Pavillon“) wurde zum orthodoxen Ideal; Wirkung auf die Entwicklung der Schriftkunst in ganz Ostasien; bis heute viel kopiertes Vorbild

„Vorwort zum Orchideen-Pavillon“ ist das berühmteste chinesische kalligraphische Kunstwerk. Es wurde im Spätfrühling des Jahres 353 von Wang Xizhi angefertigt.

Qiu Zhijie (geb. 1969) nahm die Schrift als Vorlage und überschrieb die Kopie in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als eintausend Mal. Zuerst sah er dieses wiederholte Überschreiben des Textes als kalligraphische Übung, mit der Zeit jedoch wurde es für Qiu immer mehr zu einem Mittel der Selbstkultivierung und der Selbstfindung.

Das Kalligraphieren chinesischer Schriftzeichen ist für Qiu Zhijie Ausdruck von Willensstärke und endlose Selbsterforschung.

(Helena Zemberi)

(4) Gelehrte und Genies

Herausbildung der Literatenkultur (4. Jh.); Schriftkunst wichtigste Ausdrucksform der hochgebildeten Oberschicht; berühmteste Schreibkünstler Chinas; ihre Kalligrafien dokumentieren Gelehrsamkeit und Kunstfertigkeit, aber auch Lebenswege, Freundschaften und Weltanschauungen

 

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(5) Ideologie und Individualität 

ideologische Funktionen von Schrift und Schriftkunst; Instrumentalisierung zum Propagieren gesellschaftlicher, moralischer und politischer Werte; Kalligrafie als sichtbarer Ausdruck von Autorität; Rückgriff auf bestimmte Stilelemente und metaphorische Anspielungen zur Gesellschaftskritik; Reflexion über die eigenen Wurzeln und die kulturelle Identität

(6) Pinselstrich und Poesie

enge Beziehung der Schriftkunst mit Malerei und Dichtung; wesensverwandte Kunstgattungen; Ideal der Gelehrtenkünstler; vielfältige, spannungsreiche Möglichkeiten des Umgangs mit Wort, Schrift und Bild

 

Shěn Zhōu (1427-1509)

Das Moos auf der Steinbrücke

ist feucht von Regen,

Die Schatten alter Kiefer breiten sich aus

Kein Ton ist von seiner Bettlerrassel zu hören.

Müssig wandert er,

den eisernen Stab in der Hand

Das Rauschen eines herbstlichen Stromes

erfrischt seine Ohren:

Die Farben abendlicher Berge bewegen sein Herz.

Man muss nicht zum Wuzhou-Berg gehen,

Ein Leben in Zurückgezogenheit kann

man auch hier führen.


Ich malte diesen Berg

vor dreissig Jahren

Jetzt schaue ich ihn

in meinem Berg-Studio wieder an

und die Felsen sind immer noch

so unbeugsam wie damals

wie kann ich, der alte Berg-Mensch

so lange währen wie sie?

Der grüne Berg lacht wohl

über mein alterndes Gesicht

31 Jahre sind vergangen seit ich

dieses Bild malte,

und ich bin jetzt schon 65. Ach mein

kahler Kopf und zahnloser Mund sind

nicht wie sie einst waren.

 

Der Überraschungsgast: Besonders gefreut haben wir uns über das Wiedersehen mit Zhang Xiaoyue. Die chinesische Germanistikstudentin Ilona hat uns im Mai 2015 zwei Wochen lang auf unserer Entdeckungsreise durch Guangzhou begleitet. Zurzeit lebt sie bei einer Schweizer Familie in der Nähe von Zürich.

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Erhard Mich             Vera Schick

 

Programm

7:30      Abfahrt in Tübingen; während der Fahrt: Einteilung in sechs Gruppen à 5 Schüler

11:00    Ankunft in Zürich, Museum Rietberg

11:30    Führung durch die Sonderausstellung (in zwei Gruppen)

12:30    Mittagspause

13:30    Durchgang durch die Abteilungen der Sonderausstellung in den sechs Gruppen

14:00    gemeinsamer Durchgang durch die einzelnen Abteilungen; jeweilige Gruppe stellt zwei ausgewählte Arbeiten vor

15:15     individuelle Besichtigung

16:00     Abschlussrunde

17:00     Rückfahrt nach Tübingen

20:00     Ankunft in Tübingen

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