Klassenzimmerstück vom Theater Lindenhof an der Wilhelm-Schickard-Schule

Mit dem Klassenzimmerstück „Malala – Mädchen mit Buch“ war das Melchinger Theater Lindenhof zu Gast in der Wilhelm-Schickard-Schule. Ein besonderes Erlebnis wurde es für beide Seiten: für das Publikum wie für den Schauspieler Luca Zahn und die Theaterpädagogin Carola Schwelien, denn viele im Publikum sind Flüchtlinge aus Syrien und sind mit dem, was ihnen gezeigt wird, auf tragische Weise vertraut.

Es sitzen an dem Morgen 30 Schüler*innen der Berufsfachschul-Klassen und einer VABO-Klasse (Vorqualifizierungsjahr für Arbeit und Beruf) vor der improvisierten Bühne im Klassenzimmer. Die Aufmerksamkeit ist nach wenigen Minuten ganz gebannt auf den Schauspieler gerichtet. In einem lebendigen Bericht stellt Luca Zahn in dem Stück des englischen Autors Nick Wood das Leben der Malala Yousafzai aus Pakistan vor. Das Mädchen hatte sich, seit sie 11 Jahre alt war, für die Bildung eingesetzt und war damit für die Taliban im Norden Pakistans zur Bedrohung ihrer Macht geworden. Mit 15 Jahren überlebt Malala wie durch ein Wunder einen gezielten Mordanschlag. Sie erholt sich von den schweren Schussverletzungen und kämpft weiter für das Recht auf Bildung für alle Kinder.

Im Stück lässt Zahn die Schüler*innen dabei an ganz alltäglichen und an furchtbaren Ausschnitten aus Malalas Leben teilhaben. Er spricht die einschüchternden Aussagen der Taliban über das Megaphon, verliest Namen von Verurteilten und ihre Strafen: Steinigen, Auspeitschen, Köpfen. In der hinteren Reihe fragt ein Schüler seinen Nebensitzer schnell: „Kannst du das verstehen?“, als Luca Zahn auch auf Arabisch Ansagen durch das Megaphon spricht.
Am Ende des Stücks hat Malala das letzte Wort: über den kleinen MP3-Spieler, den Zahn immer wieder einsetzt, der zunächst westliche, später pakistanische Klänge hören lässt, ist Malalas Stimme bei ihrer Rede vor den Vereinten Nationen im Originalton zu hören: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Der Schauspieler sitzt dabei mit den Schüler*innen im Publikum und hört ebenso gebannt zu.

Nach einer Pause schließt sich ein Gespräch mit Luca Zahn und der Theaterpädagogin Carola Schwelien an. Der Schauspieler erzählt von seiner Vorbereitung auf das Stück, von seiner Reise nach Pakistan. „Haben Sie wirklich den Koran gelesen?“, will Benjamin Ter wissen und Melissa Taskin sagt, es sei ihr wichtig zu erklären, dass die Taliban den Koran mit ihren falschen Interpretationen missbrauchen würden. „Worum geht es da eigentlich – Koran nehmen, falsch auslegen, als Wahrheit verkünden?“, fragt Carola Schwelien. Die Schüler*innen erkennen darin Manipulation und Machtsicherung. „Ich glaube, sie sind selbst keine Gläubigen“, sagt Benjamin Ter.

Im Gespräch mit den beiden Lehrerinnen der Klassen verraten der Schauspieler und die Theaterpädagogin, dass sich diese Aufführung an der Wilhelm-Schickard-Schule und das Gespräch mit den Schüler*innen von anderen sehr unterschieden habe. Hier hatten viele Zuschauer eine echte Vorstellung von den geschilderten Erlebnissen. Und so kommen nach der Vorführung ein Schüler und eine Schülerin, die im Gespräch nichts gesagt hatten, noch einmal auf Luca Zahn und Carola Schwelien zu und bedanken sich nachdrücklich dafür, dass sie dieses Stück gezeigt haben.

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